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770-jähriges Bestehen des Dominikanarinnenklosters
Heilig Kreuz Regensburg (1233-2003 )

REGENSBURG. 770 Jahre Tradition, Beten, Leben, Freude und Leid liegen mit dem heutigen Samstag hinter dem Regensburger Kloster Heilig Kreuz: Der 22. Februar 1233 gilt als Gründungstag des Regensburger Dominikaner-Klosters, das vor 200 Jahren nur der aufgezwungene Schuldienst vor der Auflösung während der Säkularisation bewahrte.

Wie nah Freud und Leid beieinander liegen mussten die Dominikanerinnen in der vergangenen Woche erfahren. Sie trauerten um Schwester Martina, die 50 Jahre dem Kloster angehörte und im Alter von 80 Jahren verstarb. "Den Gründungstag feiern wir in aller Stille - mit einer Frühmesse mit Weihbischof Vinzenz Guggenberger in Klausur", sagt die Priorin des Klosters Margarete Reisinger. "Aber sagen's Schwester Margarete zu mir, das langt..." Lächelnd sitzt sie bei dem Gespräch mit der MZ hinter der "Schranke", wie es seit Jahrhunderten im Kloster üblich ist. Die "Schranke" ist die Verbindung - wie eine riesige Durchreiche - zwischen dem Sprechzimmer der Klosterfrauen und dem Besucherrraum, ausgestattet mit antiken Möbeln.

"Die Schranke hatte früher auch noch ein Gitter. Vor 30 Jahren fiel das Gitter, aber nicht die Schranke", erzählt Schwester Maragrete, die viel von Tradition hält. Die Klausur wird nach wie vor streng eingehalten. Lediglich Priester, Ärzte und Handwerker dürfen den Klausurbereich betreten. Die Klosterschwestern verlassen das Kloster nur zu Tagungen, Fortbildung, Arztbesuch, zum Unterricht in der Kreuzschule. Ein Stadtbummel ist nicht drin. "Nur wenn wir Schuhe brauchen, dann gehen wir einkaufen!"

Trotzdem leben die Schwestern mit der Zeit, informiert durch Fernsehen und Zeitung und im Gespräch mit den Regensburgern.

"Wir kommen vor allem unserem wichtigsten Apostulat nach: Gebetsanliegen vor Gott tragen." Nicht nur an der "Schranke" bitten Gläubige die Klosterschwestern, die täglich über vier Stunden im Gebet verbringen, um Gebetshilfe. "Wir bekommen Briefe, Telefonanrufe, e-mails", erzählt die Priorin.

300 Jahre Tradition: Der Kräuter-Balsam

Den 770 Gründungstag nur knapp verfehlt hat übrigens die Wiederbelebung einer über 300 Jahre alte Klostertradition: Ende Februar kommt der Balsam aus 20 Kräutern wieder in den Verkauf, dessen Produktion 1995 aus personellen Gründen eingestellt werden musste. "Wir haben einen Lizenzträger in der Nähe von Würzburg gefunden für Herstellung und Versand", freut sich Schwester Margarete. "Rezept und Namen sind geblieben." Der Kräuterbalsam fällt laut Schwester Margarete "nicht unter das Arneimittelgesetz, sondern unterliegt der Lebensmittelkontrolle als Kräuterspirituose.Es ist aber kein Likör, weil der 100 Gramm Zucker hat, der Balsam aber nur 35 Gramm".

Wie viel der Kräuterbalsam kostet, "da sind wir noch am Überlegen", so Schwester Margarete. Zu kaufen ist der Balsam Ende des Monats im Klosterladen in der Oberen Bachgasse oder per e-mail unter bestellung@heilig-kreuz.org.

Trotz klösterlicher Abgeschiedenheit, wird das Gründungsjahr etwas lebhaft verlaufen. "Einen Pilgerstrom ins Mutterkloster", erwartet Priorin Margarete Reisinger Ende Juli. "1853 gingen vier Gründerschwestern in die USA, 2003 haben wir in Amerika zwölf Kongregationen."
Was die Entwicklung des Regensburger Kloster betrifft, ist die Priorin "zufrieden". 20 Schwestern leben im Kloster Heilig Kreuz, die jüngste ist 28 und die älteste 81 Jahre alt. Am 29. März tritt eine Privatdozentin (Physik und Astronomie) in das Kloster ein, beginnt ihr Postulat. Die Priorin:"Wir geben nicht auf! Mit Mut und Gottes Hilfe..."

Chronik

22. Februar 1233:
Gründungstag des Klosters Heilig Kreuz (Datum der Urkunde über Bauplatz-Schenkung Regensburger Bürger). Es ist das erste Dominikanerinnenkloster in Bayern und besteht seit 1233 ununterbrochen an der gleichen Stelle. Den Namen Heilig Kreuz hat das Kloster von dem schon in den Gründerjahren nachweisbaren romanischen Kreuz, das noch heute künstlerischer Mittelpunkt des Hochaltars der Heilig-Kreuz-Kirche ist.

1248 brachte ein Brand die Schwestern in große Not. Mit Hilfe vieler Wohltäter begann nach dem Wiederaufbau 1255 die erste Blütezeit. Das Kloster erwarb ansehnliche Besitztümer.

Der wirtschaftliche Aufschwung setzte sich auch im 14. Jahrhundert fort. Eine Lockerung des Armutsgelübdes war die Folge, die Klosterzucht ließ nach - damals keine Einzelerscheinung. Der Stadtmagistrat forderte vergeblich eine Reform. Erst 1406 erfolgte schließlich eine Reform und 1476 wurde das Kloster Heilig Kreuz "versperrt": Die strenge Klausur wurde eingeführt. In Heilig Kreuz entfaltete sich wieder der echte religiöse Geist, der auch die heraufziehenden Unruhen der Reformationszeit im 16. Jahrhundert ohne Erschütterung überstand.

Das 17. Jahrhundert brachte neue Prüfungen. Mit Um- und Neubau der Klostergebäude (um 1628) und dem Erwerb der Hofmark Arlesberg (später Adlersberg) hatte sich das Kloster in große Schulden gestürzt. Verschärft wurde die Krise durch den Dreißigjährigen Krieg.

1751-1757: Erneuerung der Klosterkirche (Innenausbau Rokoko-Stil).

Als das Kloster um 1796 5000 Gulden Kriegssteuer (Bayern kämpfte an der Seite Österreichs gegen Napoleon) und 1809 weitere 12 000 Gulden zahlen musste, wurden alle Wertsachen verkauft, der Kreuzhof verpfändet.

Säkularisation: Dass Heilig Kreuz vor der Enteignung gerettet wurde und bestehen blieb, ist Kurerzkanzler und Fürstprimas Carl Theodor von Dalberg zu verdanken. Bedingung für den Fortbestand des Klosters: Die Schwestern mussten - gegen ihren Willen - im Kloster eine Mädchensschule eröffnen und unterrichten. Eine Erfolgsstory begann: Die Schwestern bestimmten in den folgenden Jahren die Schulgeschichte in Regensburg mit.

1827: König Ludwig I. garantiert den Fortbestand des Klosters; Auflage: Weiter Schulunterricht.

1853: Priorin Maria Bededikta Bauer (1845-1858) schickte vier Schwestern nach Amerika. Mit diesem Missionsauftrag bekam Heilig Kreuz weltweite Bedeutung.

1870-1872: Die Stadt baute ein eigenes Schulhaus, die Kreuzschule. Zehn Schwestern unterrichteten.

1938 drohte dem Kloster die Auflösung, es kam jedoch nie zu harten Auseinandersetzungen, auch nicht mit der Gestapo.

Am 13. März 1945 trafen 13 Bomben das Kloster. Mit Hilfe der Amerikaner begannen 1947 die Restaurierung der Kirche und der Aufbau der Gebäude.1948 konnte die Klausur wieder voll eingehalten werden.

1946 wurden die Schwestern in die Schule zurückgeholt. Die Kinder aus drei Regensburger Schulen wurden damals an der Kreuzschule unterrichtet.1969/70 wurde die Kreuzschule zur Grundschule für Mädchen und Jungen.
2003: Als einzige Schwester unterrichtet Schwester Aquinata an der Kreuzschule. Nach ihrem Ausscheiden Ende des Schuljahres setzt die 28-jährige Schwester Marina (Dipl. Theologin und Pädagogin) mit dem Religionsunterricht ab September die Tradition fort.

Quelle: Ursula Stöcker in der Mittelbayerischen Zeitung vom 22. Februar 2003

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