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REGENSBURG. 770 Jahre Tradition, Beten, Leben, Freude und Leid liegen
mit dem heutigen Samstag hinter dem Regensburger Kloster Heilig Kreuz:
Der 22. Februar 1233 gilt als Gründungstag des Regensburger Dominikaner-Klosters,
das vor 200 Jahren nur der aufgezwungene Schuldienst vor der Auflösung
während der Säkularisation bewahrte.
Wie nah Freud und Leid beieinander liegen mussten die Dominikanerinnen
in der vergangenen Woche erfahren. Sie trauerten um Schwester Martina,
die 50 Jahre dem Kloster angehörte und im Alter von 80 Jahren verstarb.
"Den Gründungstag feiern wir in aller Stille - mit einer Frühmesse
mit Weihbischof Vinzenz Guggenberger in Klausur", sagt die Priorin
des Klosters Margarete Reisinger. "Aber sagen's Schwester Margarete
zu mir, das langt..." Lächelnd sitzt sie bei dem Gespräch
mit der MZ hinter der "Schranke", wie es seit Jahrhunderten
im Kloster üblich ist. Die "Schranke" ist die Verbindung
- wie eine riesige Durchreiche - zwischen dem Sprechzimmer der Klosterfrauen
und dem Besucherrraum, ausgestattet mit antiken Möbeln.
"Die Schranke hatte früher auch noch ein Gitter. Vor 30 Jahren
fiel das Gitter, aber nicht die Schranke", erzählt Schwester
Maragrete, die viel von Tradition hält. Die Klausur wird nach wie
vor streng eingehalten. Lediglich Priester, Ärzte und Handwerker
dürfen den Klausurbereich betreten. Die Klosterschwestern verlassen
das Kloster nur zu Tagungen, Fortbildung, Arztbesuch, zum Unterricht in
der Kreuzschule. Ein Stadtbummel ist nicht drin. "Nur wenn wir Schuhe
brauchen, dann gehen wir einkaufen!"
Trotzdem leben die Schwestern mit der Zeit, informiert durch Fernsehen
und Zeitung und im Gespräch mit den Regensburgern.
"Wir kommen vor allem unserem wichtigsten Apostulat nach: Gebetsanliegen
vor Gott tragen." Nicht nur an der "Schranke" bitten Gläubige
die Klosterschwestern, die täglich über vier Stunden im Gebet
verbringen, um Gebetshilfe. "Wir bekommen Briefe, Telefonanrufe,
e-mails", erzählt die Priorin.
300 Jahre Tradition: Der Kräuter-Balsam
Den
770 Gründungstag nur knapp verfehlt hat übrigens die Wiederbelebung
einer über 300 Jahre alte Klostertradition: Ende Februar kommt der
Balsam aus 20 Kräutern wieder in den Verkauf, dessen Produktion 1995
aus personellen Gründen eingestellt werden musste. "Wir haben
einen Lizenzträger in der Nähe von Würzburg gefunden für
Herstellung und Versand", freut sich Schwester Margarete. "Rezept
und Namen sind geblieben." Der Kräuterbalsam fällt laut
Schwester Margarete "nicht unter das Arneimittelgesetz, sondern unterliegt
der Lebensmittelkontrolle als Kräuterspirituose.Es ist aber kein
Likör, weil der 100 Gramm Zucker hat, der Balsam aber nur 35 Gramm".
Wie viel der Kräuterbalsam kostet, "da sind wir noch am Überlegen",
so Schwester Margarete. Zu kaufen ist der Balsam Ende des Monats im Klosterladen
in der Oberen Bachgasse oder per e-mail unter bestellung@heilig-kreuz.org.
Trotz klösterlicher Abgeschiedenheit, wird das Gründungsjahr
etwas lebhaft verlaufen. "Einen Pilgerstrom ins Mutterkloster",
erwartet Priorin Margarete Reisinger Ende Juli. "1853 gingen vier
Gründerschwestern in die USA, 2003 haben wir in Amerika zwölf
Kongregationen."
Was die Entwicklung des Regensburger Kloster betrifft, ist die Priorin
"zufrieden". 20 Schwestern leben im Kloster Heilig Kreuz, die
jüngste ist 28 und die älteste 81 Jahre alt. Am 29. März
tritt eine Privatdozentin (Physik und Astronomie) in das Kloster ein,
beginnt ihr Postulat. Die Priorin:"Wir geben nicht auf! Mit Mut und
Gottes Hilfe..."
Chronik
22. Februar 1233:
Gründungstag des Klosters Heilig Kreuz (Datum der Urkunde über
Bauplatz-Schenkung Regensburger Bürger). Es ist das erste Dominikanerinnenkloster
in Bayern und besteht seit 1233 ununterbrochen an der gleichen Stelle.
Den Namen Heilig Kreuz hat das Kloster von dem schon in den Gründerjahren
nachweisbaren romanischen Kreuz, das noch heute künstlerischer Mittelpunkt
des Hochaltars der Heilig-Kreuz-Kirche ist.
1248 brachte ein Brand die Schwestern in große Not. Mit Hilfe vieler
Wohltäter begann nach dem Wiederaufbau 1255 die erste Blütezeit.
Das Kloster erwarb ansehnliche Besitztümer.
Der wirtschaftliche Aufschwung setzte sich auch im 14. Jahrhundert fort.
Eine Lockerung des Armutsgelübdes war die Folge, die Klosterzucht
ließ nach - damals keine Einzelerscheinung. Der Stadtmagistrat forderte
vergeblich eine Reform. Erst 1406 erfolgte schließlich eine Reform
und 1476 wurde das Kloster Heilig Kreuz "versperrt": Die strenge
Klausur wurde eingeführt. In Heilig Kreuz entfaltete sich wieder
der echte religiöse Geist, der auch die heraufziehenden Unruhen der
Reformationszeit im 16. Jahrhundert ohne Erschütterung überstand.
Das 17. Jahrhundert brachte neue Prüfungen. Mit Um- und Neubau der
Klostergebäude (um 1628) und dem Erwerb der Hofmark Arlesberg (später
Adlersberg) hatte sich das Kloster in große Schulden gestürzt.
Verschärft wurde die Krise durch den Dreißigjährigen Krieg.
1751-1757: Erneuerung der Klosterkirche (Innenausbau Rokoko-Stil).
Als das Kloster um 1796 5000 Gulden Kriegssteuer (Bayern kämpfte
an der Seite Österreichs gegen Napoleon) und 1809 weitere 12 000
Gulden zahlen musste, wurden alle Wertsachen verkauft, der Kreuzhof verpfändet.
Säkularisation: Dass Heilig Kreuz vor der Enteignung gerettet wurde
und bestehen blieb, ist Kurerzkanzler und Fürstprimas Carl Theodor
von Dalberg zu verdanken. Bedingung für den Fortbestand des Klosters:
Die Schwestern mussten - gegen ihren Willen - im Kloster eine Mädchensschule
eröffnen und unterrichten. Eine Erfolgsstory begann: Die Schwestern
bestimmten in den folgenden Jahren die Schulgeschichte in Regensburg mit.
1827: König Ludwig I. garantiert den Fortbestand des Klosters; Auflage:
Weiter Schulunterricht.
1853: Priorin Maria Bededikta Bauer (1845-1858) schickte vier Schwestern
nach Amerika. Mit diesem Missionsauftrag bekam Heilig Kreuz weltweite
Bedeutung.
1870-1872: Die Stadt baute ein eigenes Schulhaus, die Kreuzschule. Zehn
Schwestern unterrichteten.
1938 drohte dem Kloster die Auflösung, es kam jedoch nie zu harten
Auseinandersetzungen, auch nicht mit der Gestapo.
Am 13. März 1945 trafen 13 Bomben das Kloster. Mit Hilfe der Amerikaner
begannen 1947 die Restaurierung der Kirche und der Aufbau der Gebäude.1948
konnte die Klausur wieder voll eingehalten werden.
1946 wurden die Schwestern in die Schule zurückgeholt. Die Kinder
aus drei Regensburger Schulen wurden damals an der Kreuzschule unterrichtet.1969/70
wurde die Kreuzschule zur Grundschule für Mädchen und Jungen.
2003: Als einzige Schwester unterrichtet Schwester Aquinata an der Kreuzschule.
Nach ihrem Ausscheiden Ende des Schuljahres setzt die 28-jährige
Schwester Marina (Dipl. Theologin und Pädagogin) mit dem Religionsunterricht
ab September die Tradition fort.
Quelle: Ursula Stöcker in der Mittelbayerischen Zeitung vom 22.
Februar 2003
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